(Zu) viele Dalis

Die Summe der Werke, die dem berühmten Surrealisten Salvador Dali zugeschrieben wurden, ist beinahe unüberschaubar – aber es wird wohl ein Rätsel bleiben, wie viele von ihnen tatsächlich von dem Maler selbst angefertigt wurden.

Die Kreativität der Fälscher kannte keine Grenzen – von vollkommen neuen Grafiken, die Dali nie erschaffen hatte, bis hin zu Neuauflagen bereits bekannter Bilder mit gefälschten Signaturen – der Kunstmarkt erlebte eine Welle an gefälschten Werken des berühmten Surrealisten.

..nur einmal unterschreiben bitte!

Und das verworrenste an der ganzen Geschichte: Dali soll noch nicht einmal unschuldig an der Fälschungswelle gewesen sein.

Im Jahre 1974 beschlagnahme der französische Zoll an der Grenze zu Andorra etwa 40 000 von Dali signierte Blankoblätter.

Und es wird noch skurriler:

Historiker fanden unlängst heraus, dass Dali zahlreiche noch unbemalte Blätter mit seiner Signatur versehen hatte, um seine Schaffensprozesse zu vereinfachen – und, dass er dies später konsequent leugnete.

So behauptet Idirod Bea, einer seiner Schüler, dass in Wahrheit er einige der berühmtesten Werke Dalis angefertigt habe, nachdem dieser alters- und krankheitsbedingt (er litt unter Parkinson) selbst nicht mehr konnte. Möglicherweise standen jene signierten Blankoblätter also mit diesem Fall, oder anderen Lehrer-Schüler-Arrangements in Verbindung.

Geduldet oder sogar erwünscht?

Auch wenn es wohl ursprünglich nicht Sinn und Zweck der Blankettunterschriften war, Fälschungen zu ermöglichen oder zu unterstützen, so ließ der Exzentriker Dali es doch deutlich erkennen, dass ihm diese Gefahr zwar bekannt, aber vollkommen gleichgültig war.

Er soll sogar einmal gesagt haben, dass selbst ein „Hauch von Dalis Hand“, also selbst eine simple Unterschrift, ein Werk zu einem Dali mache. Manch besonders kritischer Kunsthistoriker vermutete hinter dieser Einstellung sogar mehr und sagte ihm nach, Gefallen an dem urheberrechtlichen Chaos um ihn gefunden zu haben und möglicherweise sogar aktiv mit den Fälschern zusammenzuarbeiten.

Sein letzter Sekretär Robert Decharnes schätzte den Anteil an gefälschten Dalis heute noch auf etwa 90 Prozent.

Dem Spuk ein Ende gesetzt…

…haben Lutz W. Löpsinger und Ralf Michler, die im Jahre 1995 ein kritisches Werkverzeichnis veröffentlichten. Erst ab diesem Zeitpunkt begann sich das Durcheinander auf dem Kunstmarkt langsam zu lichten. Heutzutage werden die Kunstwerke Dalis wohl ebenso häufig gefälscht, wie es bei anderen Künstlern der Fall ist.

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