Schlagwort: Kunstfälscher

Der König der Kunstfälscher – Wolfgang Beltracchi

Wolfgang Beltracchi, einst als “König” der Kunstfälscher bezeichnet, wurde im Jahr 2010 wegen der Fälschung von 14 Kunstwerken verhaftet und gestand anschließend, im Laufe seiner Karriere noch hunderte weitere Fälschungen angefertigt zu haben.

Beltracchi behauptet, er habe seine Fälscherkarriere in den 1970-er Jahren mit den “ungemalten Werken alter Meister” begonnen. Anfangs verkaufte er seine Werke noch auf Flohmärkten, merkte aber schon bald, dass ihm das nicht genügte. In den 1980-er und 1990-er Jahren verkaufte Beltracchi dann Bilder an reiche Sammler, darunter den amerikanische Schauspieler Steve Martin, der nach Schätzungen der deutschen Polizei ganze 700.000 € für ein Gemälde des Kunstfälschers bezahlt haben soll. Beltracchi erklärte seinen Kunden, bei den von ihm verkauften Werken handele es sich um klassische Gemälde, die als verschollen gegolten hätten – in Wahrheit aber hatte er sämtliche Werke selbst angefertigt.

Beltracchi und seine Komplizen wurden schließlich gefasst und für ihre Verbrechen zur Verantwortung gezogen – allerdings erst, als sie schon Millionen Dollar angehäuft hatten. Allein die 14 Werke, die zu Beltracchis Verhaftung geführt hatten, hatten ihnen schon etwa 45 Millionen Dollar eingebracht.

Und der Graf – Lothar Senke

Fälschungen dieses Kalibers sind nicht ungewöhnlich und halten die Kunstwelt trotz der Fortschritte der modernen Technik immer wieder in Atem. Im Jahr 2009 deckten die deutschen Behörden einen der größten Coups der deutschen Geschichte auf. Lothar Senke, der selbsternannte Graf von Waldstein, hatte gemeinsam mit seinen Komplizen jahrelang gefälschte Alberto-Giacometti-Skulpturen verkauft. Wie aber ist es möglich, dass ein paar Männer mehr als 10,4 Millionen Dollar erbeuten, indem sie Giacometti-Skulpturen aus ihrem Kofferraum verkaufen?

Häufig wird der Erfolg von Kunstfälschern damit begründet, dass ihre Arbeiten einfach zu gut, zu detailgetreu sind, und dass deswegen niemand ihre Echtheit in Frage stellt. Die Realität sieht anders aus: Fachleute erkannten häufig sofort und ohne Probleme, wenn es sich bei den ihnen vorgelegten Werken um Fälschungen handelte. Ein Kunsthistoriker bezeichnete die von ihm begutachteten Werke sogar als “unsäglich schlecht”.

Maßgeblich für den Erfolg von Kunstfälschungen ist daher vielmehr, ob ihre angebliche Herkunft plausibel erscheint. Da von den Kunstwerken Giacomettis kein umfassender Katalog existiert, ist es für gerissene Gauner sehr viel einfacher, eine von ihnen selbst angefertigte Reproduktion als Original auszugeben. Das technische Geschick, welches den Fälschern möglicherweise fehlt, können sie ohne weiteres durch eine glaubwürdige Herkunftsgeschichte ausgleichen.

Und hier legten Senke und seine Partner erstaunliche Kreativität an den Tag: Ihre Legenden untermauerten sie nämlich durch ein Buch mit dem Titel “Diego’s Rache”. In diesem Buch wird berichtet, wie Diego Giacommetti, der jüngere Bruder des Künstlers Alberto, angeblich einige Skulpturen aus dem Atelier seines Bruders mitnahm und heimlich neue Gussstücke von ihnen anfertigte. Dem Buch zufolge wurden diese Abdrücke zunächst versteckt und nach dem Tod des Künstlers an zahlreiche Sammler in aller Welt verkauft. Der Clou an der Sache: Senke und seine Komplizen hatten das Buch selbst geschrieben… Seinen Käufern gegenüber behauptete Senke teilweise, er habe einen der Originalabdrücke einem ausländischen Sammler abgekauft, teils gab er vor, Diego Giacometti persönlich gekannt und eines der Gussstücke von ihm selbst erhalten zu haben.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Skulpturen häufiger gefälscht werden als Gemälde – schlichtweg, weil es sehr viel einfacher ist. Manchmal fertigen Gießereien Kopien an, stellen mehr Abdrücke her als angefordert wurden oder Erben der Künstler besitzen Gussstücke, die nach dem Tod des Künstlers angefertigt wurden. Daher ist oft unklar, wie viele Gussstücke einer Skulptur es tatsächlich gibt, sodass es unmöglich ist, die echten und falschen Kopien auseinanderzuhalten.

Dass also oft nicht klar ist, wie viele Originale eines Werkes existieren, macht es für Kunstfälscher sehr viel leichter ihre Fälschungen still und heimlich in die Reihen der Originalwerke zu mischen. Es wird angenommen, dass Giacometti im Laufe seines Lebens weniger als 500 Einzelstücke angefertigt hat – allerdings kann nicht einmal die Alberto-und-Anette-Giacometti-Stiftung, die von seiner Witwe gegründet wurde, eine genaue Zahl nennen. Und je produktiver Künstler sind, desto schwieriger kann es sein, zuverlässige Angaben zu treffen, wie viele Werke tatsächlich existieren.

Zwar sind die Urhebergesetze bei weitem nicht das einzige Werkzeug, das im Kampf gegen die Kunstfälscher zur Verfügung steht, aber sie können den Urheberrechtsinhabern dabei helfen, den durch Kunstbetrug verursachten Umsatzverlust auszugleichen. Im Fall von Lothar Senke beispielsweise trat die Giacometti-Stiftung dem Prozess als Nebenklägerin bei, um eine eigene urheberrechtliche Entscheidung zu erwirken. Diese Möglichkeit bestand deshalb, weil Giacometti erst 1966 starb und seine Werke daher nach wie vor urheberrechtlich geschützt sind. Erst 2036 gehen sie in die Gemeinfreiheit über, sodass ab diesem Zeitpunkt eine urheberrechtliche Verfolgung solcher Fälle nicht mehr möglich ist. Dann kann nur noch die Staatsanwaltschaft wegen Betruges ermitteln.

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(Zu) viele Dalis

Die Summe der Werke, die dem berühmten Surrealisten Salvador Dali zugeschrieben wurden, ist beinahe unüberschaubar – aber es wird wohl ein Rätsel bleiben, wie viele von ihnen tatsächlich von dem Maler selbst angefertigt wurden.

Die Kreativität der Fälscher kannte keine Grenzen – von vollkommen neuen Grafiken, die Dali nie erschaffen hatte, bis hin zu Neuauflagen bereits bekannter Bilder mit gefälschten Signaturen – der Kunstmarkt erlebte eine Welle an gefälschten Werken des berühmten Surrealisten.

..nur einmal unterschreiben bitte!

Und das verworrenste an der ganzen Geschichte: Dali soll noch nicht einmal unschuldig an der Fälschungswelle gewesen sein.

Im Jahre 1974 beschlagnahme der französische Zoll an der Grenze zu Andorra etwa 40 000 von Dali signierte Blankoblätter.

Und es wird noch skurriler:

Historiker fanden unlängst heraus, dass Dali zahlreiche noch unbemalte Blätter mit seiner Signatur versehen hatte, um seine Schaffensprozesse zu vereinfachen – und, dass er dies später konsequent leugnete.

So behauptet Idirod Bea, einer seiner Schüler, dass in Wahrheit er einige der berühmtesten Werke Dalis angefertigt habe, nachdem dieser alters- und krankheitsbedingt (er litt unter Parkinson) selbst nicht mehr konnte. Möglicherweise standen jene signierten Blankoblätter also mit diesem Fall, oder anderen Lehrer-Schüler-Arrangements in Verbindung.

Geduldet oder sogar erwünscht?

Auch wenn es wohl ursprünglich nicht Sinn und Zweck der Blankettunterschriften war, Fälschungen zu ermöglichen oder zu unterstützen, so ließ der Exzentriker Dali es doch deutlich erkennen, dass ihm diese Gefahr zwar bekannt, aber vollkommen gleichgültig war.

Er soll sogar einmal gesagt haben, dass selbst ein „Hauch von Dalis Hand“, also selbst eine simple Unterschrift, ein Werk zu einem Dali mache. Manch besonders kritischer Kunsthistoriker vermutete hinter dieser Einstellung sogar mehr und sagte ihm nach, Gefallen an dem urheberrechtlichen Chaos um ihn gefunden zu haben und möglicherweise sogar aktiv mit den Fälschern zusammenzuarbeiten.

Sein letzter Sekretär Robert Decharnes schätzte den Anteil an gefälschten Dalis heute noch auf etwa 90 Prozent.

Dem Spuk ein Ende gesetzt…

…haben Lutz W. Löpsinger und Ralf Michler, die im Jahre 1995 ein kritisches Werkverzeichnis veröffentlichten. Erst ab diesem Zeitpunkt begann sich das Durcheinander auf dem Kunstmarkt langsam zu lichten. Heutzutage werden die Kunstwerke Dalis wohl ebenso häufig gefälscht, wie es bei anderen Künstlern der Fall ist.

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Ruhm, Reichtum und Halunken – Kunstfälscher und das Urheberrecht

So häufig sie vorkommen, so schwer sind sie leider auch zu beweisen: Die Rede ist von Kunstfälschungen. Für Außenstehende sind die Geschichten von berühmten Kunstfälschern spannend wie ein guter Kriminalroman. Für die Käufer von gefälschter Kunst, entsteht oft ein großer finanzieller Schaden. Und natürlich ist es auch peinlich, wenn sich die frisch erworbene Giacometti-Skulptur als plumpe Fälschung herausstellt. Für Urheber kann es den guten Ruf zerstören, wenn zu viele Fälschungen im Umlauf sind.

Kunstfälschung als Geschäft

Bei Kunstfälschungen handelt es sich nicht um ein Randphänomen: Das Schweizer “Fine Arts Expert Institute” berichtet, dass sich 70 bis 90 Prozent der von ihnen untersuchten Kunstwerke als gefälscht oder falsch zugeschrieben erweisen. Yann Walther, Geschäftsführer des “Fine Arts Institute” in Genua relativierte diese Aussage allerdings gegenüber den Reportern des Daily Beast ein wenig und stellte klar, dass derartige Zahlen nicht wirklich repräsentativ und aussagekräftig sind. Die Begründung leuchtet ein: Schließlich lassen Kunden des Instituts nur solche Werke überprüfen, bei denen sie tatsächlich Zweifel an der Echtheit haben.

Trotzdem schätzten Fachleute schon in den 1970-er Jahren, dass bis zu 10 Prozent der Gelder, die damals für kommerzielle Kunsttransaktionen bezahlt wurden (und wir reden hier immerhin von 300 bis 400 Millionen Dollar) einen betrügerischen Hintergrund hatten. Und seitdem sind die Summen, die aus Kunstbetrügereien erwirtschaftet wurden, wahrscheinlich sogar noch weiter angestiegen.

Es lässt sich unmöglich schätzen, wie viele gefälschte Kunstwerke tatsächlich im Umlauf sind. Die Käufer solcher Fälschungen sind nicht gerade scharf darauf, derartige Fälle zu melden und zu verfolgen, weil sie zum Einen ungern publik machen wollen, dass ihr Kauf in Wahrheit wertlos ist und weil sie zum Anderen befürchten, wegen ihres Fehlgriffs in Kennerkreisen als leichtgläubig abgestempelt zu werden. Kluge Privatsammler, die merken, dass ihr Kauf kein Originalwerk ist, bieten stattdessen die Fälschung einem Museum im Tausch gegen eine Steuergutschrift an. Das Museum wird, falls es überhaupt merkt, dass es sich um eine Fälschung handelt, das Werk (um eine Rufschädigung zu vermeiden und nicht den Unmut des Spenders zu riskieren) einfach auf dem Dachboden oder im Keller verstauen und dort seinem Schicksal überlassen.

Die bekanntesten Fälscher in Deutschland sind Wolfgang Beltracchi und Lothar Senke, der König und der Graf der Kunstfälscher. Sie stelle ich in einem eigenen Beitrag vor.

Kunstfälscher und das Urheberrecht

Der Verkauf gefälschter Bilder ist vor allem außerhalb des Urheberrechtsgesetzes mit Strafe bedroht, beispielsweise als Betrug nach § 263 StGB. Aber solange die gefälschten Werke noch urheberrechtlich geschützt und noch nicht gemeinfrei geworden sind, kommt auch ein Verstoß gegen das Urheberrecht in Betracht.

Doch so einfach ist es mit dem Urheberrecht bei Fälschungen nicht. Nur bei 1: 1 Kopien liegt die Urheberrechtsverletzung klar auf der Hand: Hier verstößt der Fälscher gegen § 16 UrhG. Solche 1:1 Kopien sind allerdings vergleichsweise selten. Übernimmt der Fälscher bekannte Elemente eines Urhebers und erstellt daraus neue Kunstwerke, so kann es sich um eine Bearbeitung des Werkes nach § 23 UrhG handeln. Die Veröffentlichung und Verbreitung solcher „unfreier“ Bearbeitung verstößt auch gegen das Urheberrecht. Hier wird es allerdings schon schwieriger: Je nachdem, welche Elemente der Fälscher übernimmt und wie weit er sich vom Original entfernt, muss es sich nicht um eine urheberrechtlich relevante Bearbeitung nach § 23 UrhG handeln, es kann auch eine freie Benutzung nach § 24 UrhG vorliegen. Solche freien Benutzung verletzen das Urheberrecht des Originalurhebers nicht.

Werden die Fälschungen aber mit dem Namen des Originalurhebers versehen, so kann dieser aus seinem Urheberpersönlichkeitsrecht dagegen vorgehen, wenn ihm fremde Werke „untergeschoben“ werden. Als Urheber hat man nicht nur einen Anspruch darauf, als Urheber an den eigenen Werken genannt zu werden, sondern auch einen Anspruch darauf, nicht fälschlicherweise fremde Werke zugeschrieben zu bekommen. Das nicht allen Künstlern ihr Urheberpersönlichkeitsrecht besonders wichtig war, zeigt das Beispiel Dalis. Er signierte tatsächlich zehntausende leere Blätter… Dazu beim nächsten Mal mehr.

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