Die Werke von Hans Fallada sind jetzt gemeinfrei

Buch und Brille

Am 5. Februar 1947 verstarb Hans Fallada in Berlin. 70 Jahre nach seinem Tod ist das Urheberrecht an seinen Werken zum 31. Dezember 2017 abgelaufen. Seine Werke stehen uns ab sofort zur freien Verfügung. Ein guter Anlass, um einen Blick auf sein Leben und Werk zu werfen.

Ein ungewöhnliches Pseudonym

Die Welt kannte ihn zwar als Hans Fallada – Familie und Freunde kannten ihn aber als Rudolf Ditzen. Sein Pseudonym war nicht zufällig gewählt. Zwei grimmsche Märchen haben den deutschen Schriftsteller zu seiner ausgefallenen Namenswahl bewegt: Den Vornamen griff er sich von der Märchenfigur Hans im Glück ab. “Fallada” geht auf den sprechenden Schimmel aus “Die Gänsemagd” zurück, dessen abgeschlagener Kopf so lange die Wahrheit spricht, bis alles Unrecht aus der Welt geschaffen ist. Und so verstand sich der sozialkritische Schriftsteller auch. Sein Ziel: sich in Zeiten des Ungehörs Gehör zu verschaffen.

Zwischen Wahnsinn und Genialität

Ditzen wächst in gut bürgerlichen Verhältnissen in der Universitätsstadt Greifswald auf. Dass er einmal zu den bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts gehören wird, ahnt bis dahin noch niemand. Jurist soll er werden. Doch ein früher Suizidversuch durchkreuzt die Karrierepläne seines Vaters. “Fallada” landet in einer psychiatrischen Anstalt, ein Aufenthalt, der ihn sein Abitur kostet. Ohne Schulabschluss versucht er sich als Wirtschaftsinspektor, Verlagslektor und Journalist.
Sein erster literarischer Erfolg gelingt dem Exzentriker 1931 mit dem sozialkritischen Roman “Bauern, Bonzen, Bomben”. In dem Wirtschaftsdrama zeichnet sich erstmals auch das Realitätsbestrebens Ditzens ab, das ihn später zum Vertreter der “Neuen Sachlichkeit” macht. Der endgültige Durchbruch folgt aber erst 1932. “Kleiner Mann, was nun?”, ein Einzelschicksal in der Weltwirtschaftskrise, bringt Hans Fallada Weltruhm ein.
Im NS-Regime verabschiedet sich der Künstler vorübergehend von seinem kritischen Ton. In neutralen Werken wie “Das Märchen vom Stadtschreiber” verzichtet er auf eine klare politische Stellungnahme. Seine kritische Stimme findet Fallada erst 1947 wieder. Der Widerstandsroman “Jeder stirbt für sich allein” bringt ihn posthum sogar auf die Bestsellerlisten.

Gemeinfreiheit seiner Werke

Auch wenn sein letztes Werk erst in seinem Todesjahr erschienen ist, endet das Urheberrecht an allen Werken von Hans Fallada zum gleichen Zeitpunkt: 70 Jahre nach seinem Tod des Urheber, am 31. Dezember 2017. Mit Ablauf des Urheberrechts dürfen sämtliche Werke des Schriftstellers nun frei verwendet werden – vorausgesetzt, er ist der einzige Urheber. Sind noch weitere Autoren beteiligt, so erlischt die Regelschutzfrist erst 70 Jahre nach dem Tod des Längstlebenden. Wer also sichergehen will, dass ein Schriftstück wirklich gemeinfrei ist, der sollte stets auf Verfasser und Todesdatum achten.

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